Für Scanner-Persönlichkeiten ist die Frage nach der eigenen Berufung in einer Gesellschaft, in der Spezialisierung im Berufsleben großgeschrieben wird, eine Herausforderung. Sie können und wollen sich nicht auf eine ihrer vielen Begabungen und Interessen festlegen – und das müssen sie auch nicht. Wie du als Scanner am besten mit deiner Vielbegabung umgehst und warum es für dich wichtiger ist, deine Herzensmission statt eines Berufs zu finden, das erkläre ich in diesem Artikel.

Was ist eine Scanner-Persönlichkeit?

Der Begriff „Scanner-Persönlichkeit“ bzw. nur „Scanner“ stammt aus dem Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du 1.000 Träume hast“ von der amerikanischen Autorin Barbara Sher. Andere Begriffe sind Multitalent, Vielbegabte, Ideenhelden, Multipassionierte, Rennnaisance-Menschen oder auch Multiprofessionals.

Es handelt sich dabei um Menschen, die schlichtweg viele Interesse und entsprechend häufig mehrere Projekte gleichzeitig am Laufen haben, schnell Neues lernen, sehr kreativ und dabei leicht begeistert sind.

Die Kehrseite dieser Begeisterungsfähigkeit ist, dass Scanner-Persönlichkeiten Schwierigkeiten haben, sich festzulegen. Auch erlöscht ihr Interesse schnell wieder, sobald sie sich in eine Sache eingearbeitet und sie weitgehend verstanden haben.

So kann es leicht passieren, dass Scanner 10 Sachen gleichzeitig beginnen, am Ende jedoch nichts fertigstellen. Routine und Detailarbeit sind ihnen ein Graus. Und so hören sie nicht selten Sätze wie: „Bring doch erst mal das andere Projekt zu Ende.“, „Du willst schon wieder etwas Neues anfangen?“ oder gar „Wer alles kann, kann nichts!“.

Es ist in Ordnung, vielbegabt zu sein

Wenn du dich in der obigen Beschreibung wiedergefunden hast, dann lass dir gesagt sein, dass alles in Ordnung mit dir ist!

Auch wenn Scanner-Persönlichkeiten mit ihren gewundenen Lebensläufen nicht dem klassischen Karriere-Modell entsprechen, heißt das nicht, dass sie nicht äußerst erfolgreich sein können.

Egal, wie oft es als Erfolgsrezept verschrien wird: Du musst nicht „dein eines Thema“ oder „dein eines Talent“ finden und dich genau auf dieses Gebiet spezialisieren – auch nicht beim Thema Berufung.

Für viele mag das der Weg zum Erfolg sein, für die vielbegabte Scanner-Persönlichkeit jedoch fühlt es sich an, als würde man ihr vorschlagen, sich alle Körperteile bis auf eines abzuschlagen. Kurz: Grauenhaft!

Eine Scanner-Persönlichkeit kann und möchte sich nicht auf ein Themengebiet, ein Talent oder eine Nische festlegen. Sie ist nicht nur Sänger*in, Blogger*in oder Designer*in. Sie ist all‘ das und noch viel mehr – und das ist in Ordnung.

Vielbegabt zu sein bedeutet nicht, dass du nicht fokussiert genug bist, kein Durchhaltevermögen hast und niemals wirklich erfolgreich sein kannst. Bitte verbanne diese Vorstellungen sofort aus deinem Kopf!

Vielbegabt zu sein heißt, viele Talente zu haben, darunter sich schnell in neue Dinge einarbeiten zu können, kreativ zu sein und „Outside the box“ zu denken – Qualitäten, die immer mehr gefragt sind.

Als Scanner ist es wichtig, dass du lernst, zu deiner Veranlagung zu stehen, sie zu honorieren und bereit bist, gängige Erfolgsrezepte in Frage zu stellen. Du brauchst andere, eigene Methoden des Zeit-, Projekt- und Selbstmanagements sowie Tools, um die Selbstzweifel, Scham und Verwirrung, die du aufgrund deiner Andersartigkeit möglicherweise hegst, zu überwinden.

Tipps zum Umgang mit deiner Vielbegabung

Hier ein paar Hinweise, wie du generell mit deiner Vielbegabung besser umgehst:

  1. Wenn dir wieder eine neue Idee in den Kopf schießt, freue dich darüber! Nimm‘ deine Ideen an und schreibe sie unbedingt auf. Frage dich dann, ob du sie wirklich jetzt umsetzen kannst und willst. Wenn nicht, dann packe sie in deine Ideen-Box. Das kann eine tatsächliche Kiste sein, wenn du mit Zettel und Papier hantierst oder aber ein virtueller Ordner. Schau von Zeit zu Zeit in diese Kiste, ob du etwas davon umsetzen willst. In jedem Fall weißt du, dass deine Ideen nicht verloren sind und hast dadurch mehr Speicherplatz in deinem Gehirn, um dich mit dem Thema auseinanderzusetzen, das du gerade ausführst.
  2. Deine Ideen kommen dir zu allen möglichen Zeiten und an allen möglichen Orten. Honoriere das, indem du dir einen Notizblock zulegst, den du immer und überall bei dir hast und/oder oder eine entsprechende Smartphone-App nutzt.
  3. Wenn die Ideen mal nicht sprudeln wollen und du dich sehr unfokussiert fühlst, ist das ein Zeichen dafür, dass du eine Pause brauchst. Gehe spazieren, erlaube dir einen Tag auf der Couch oder eine andere Tätigkeit, die deine Batterien wieder auflädt. Bei Frauen betrifft das häufig die Phase kurz vor der Periode. Wenn das auf dich zutrifft, kannst du für diese Zeiten bereits im Vorfeld mehr Ruhe bzw. Arbeiten einplanen, die von dir weniger Fokus und Konzentration verlangen.
  4. Zeiten, in denen du unfokussiert bist, sind auch ideal, um deine Prioritäten zu überdenken. Schau auf deine To-Do-Liste und streiche radikal alles, was im Augenblick nicht 100 % zu dir passt. Wenn du nicht sicher bist, kannst du das ein oder andere vielleicht auch erstmal zurück in deine Ideen-Box packen.
  5. Für jeden Menschen ist es ideal, wenn er vornehmlich in seiner Genie-Zone agiert. Für Scanner-Persönlichkeiten gilt das umso mehr, da Routineaufgaben ihnen mehr Energie rauben als anderen. Überprüfe alle deine Tätigkeiten und schau, dass du möglichst viel von dem, was nicht in deiner Genie-Zone liegt, delegierst.
  6. Wenn du mal wieder an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitest und spürst, dass du dich überforderst, frage dich: Bei welchem Projekt fühle ich mich, als sei ich genau der richtige Mensch zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Welches Projekt fördert und fordert die beste Version von mir? Konzentriere dich auf dieses Projekt. Die anderen Projekte gehen nicht verloren (Ideen-Box), aber wir können auch als Scanner nicht alles auf einmal erledigen. Lass bei der Auswahl deine Emotionen dein Kompass sein. Das Projekt, bei dem du dich am besten fühlst, ist das Projekt, das gerade ansteht und in dem du die besten Ergebnisse für alle erzielen kannst.
  7. Mache dir immer wieder bewusst, dass du etwas Besonderes bist und dass das gut ist. Du musst nicht sein wie die Mehrheit. Versuche nicht, dich in eine Schublade zu packen, sondern erkenne deine besonderen Bedürfnisse an. Feiere dich. Vernetze dich mit anderen Scanner-Persönlichkeiten. Suche dir ein vielbegabtes Vorbild. All das steigert dein Selbstwertgefühl und du erkennst, dass du nicht alleine bist.
  8. Wenn du angestellt bist und nur wenig Zeit hast, um dich deinen Projekten zu widmen, plane dir zumindest einen Tag die Woche ein, an dem du keine anderen Termine hast und dich ganz deinen Projekten widmen kannst. Du brauchst das! Verzichte an diesem Tag idealerweise auf Social Media. Das spart dir Zeit und dein kreatives Gehirn wird nicht überreizt.

Warum du als Scanner statt einem Beruf deine Berufung suchen solltest

Klassische Berufe wie Arzt, Anwalt oder Sportprofi erfordern häufig eine lange Ausbildung und eben jene den Scannern verhasste Spezialisierung. So schön und wichtig diese Berufe sind, du darfst diese gerne anderen überlassen.

Enge Karriere-Korsetts sind nichts für dein Scanner-Herz. Was du brauchst, ist eine Mission, eine Lebensaufgabe, die du auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen ausfüllen kannst. Du brauchst eine Berufung.

Meine beispielsweise ist es, Menschen zu inspirieren, sich wieder mit ihrem Herzen zu verbinden und so zu mehr Leichtigkeit, Klarheit und Liebe zu finden. Dieser Berufung kann ich als Coach nachgehen, als Autorin, als Rednerin, als Heilerin, …

Der Berufung kommt es nicht auf die Form an, sondern auf deine Intention. Sie gibt dir Klarheit und Ausrichtung – und so etwas wie die Seele für deine(n) jeweils aktuellen Beruf(e).

Ohnehin befindet sich unsere Gesellschaft im Wandel. Es entstehen ständig neue Berufe – oder hättest du noch vor ein paar Jahren gewusst, was ein Customer Happiness Manager ist?

Als Scanner darfst du deine Kreativität nutzen und deinen eigene(n) Beruf(e) auf Basis deiner Berufung entwerfen. Ein paar tolle Beispiele nennt Emilie Wapnick in ihrem großartigen Ted Talk „Why some of us don’t have one true calling“ .

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Wie du als vielbegabte Scanner-Persönlichkeit deine Berufung findest

Aber wie findest du nun deine Berufung? Stelle dir dazu folgende Fragen und nimm dir wirklich Zeit für ihre Beantwortung:

  1. Worin bin ich sehr gut? Diese Frage zielt auf deine Talente und Stärken ab und kann sich sowohl auf Hard Skills (Fähigkeiten, die du am Arbeitsmarkt direkt anbieten kannst) als auch Soft Skills wie Charakter- und Persönlichkeitsmerkmale beziehen.
  2. Was liebst du zu tun? Welche Aufgaben, Rollen, Funktionen erfüllst du mit Begeisterung? Wobei fühlst du dich zutiefst lebendig? Diese Frage zielt auf deine Passion ab.
  3. Welche Ergebnisse sind dir am wichtigsten? Welchen Beitrag möchtest du leisten? Welchen Menschen willst du am meisten helfen? Welche Bedürfnisse und Probleme haben diese Menschen? Auf welche Art und Weise, die dich begeistert, kannst du diese Bedürfnisse und Probleme stillen? Diese Fragen zielen auf deine Mission ab.

In der Schnittstelle deiner Antworten auf diese Fragen liegt deine Berufung. Auf dieser Basis kannst du jetzt passende Berufsbilder – oder falls du dich selbstständig machen willst auch Business Ideen – sammeln.

Als Scanner wirst du wahrscheinlich mehrere Ideen haben. Lass in diesem Fall dein Herz entscheiden und erlaube dir, auszuprobieren. Du musst auch nicht sofort alles auf eine Karte setzen. Macht dich Fotografieren wirklich glücklich? Vielleicht kannst du ein Praktikum machen oder dich nebenberuflich ausprobieren?

Frage unbedingt auch jemanden, der bereits das macht, was du machen willst nach seinem Alltag. Was ist alles in die Tätigkeit, die du ausführen willst, involviert? Was brauchst du dazu? Dadurch bekommst du ein klareres Bild davon, was dich erwartet.

Letztlich kannst du jedoch nur durchs Machen erfahren, ob du wirklich im Einklang mit deiner Berufung handelst. Das sagt dir nämlich dein Gefühl: Bist du im Flow bei dieser Tätigkeit? Fühlst du dich erfüllt, als ob du etwas Sinnvolles tust? Mit diesen Emotionen sagt dir dein Herz, dass du richtig liegst!

Solltest du alle deine Interessen kombinieren oder dich für eine Sache entscheiden?

Aber natürlich fühlst du dich als Scanner nicht nur bei einer dieser Tätigkeiten begeistert. Frage dich daher bei der Suche nach deiner Berufung: Was haben alle diese Tätigkeiten gemeinsam? Wo gibt es Überschneidungen? Und in puncto Beruf: Welche Berufsbilder vereinen vielleicht auch mehrere Tätigkeiten?

Ganz wichtig: Verabschiede dich als Scanner von der Vorstellung, dass du eine Tätigkeit bis an dein Lebensende ausführen musst. Das blockiert dich nur.

Ich habe vor meiner jetzigen Tätigkeit als Coach für Kreative & Hochsensible als Kellnerin, Redakteurin, DJane, PR- & Event-Managerin, Journalistin, Werbetexterin, Online-Marketing Managerin und Yoga-Lehrerin gearbeitet. Viele Tätigkeiten haben sich überschnitten, keine war im Nachhinein nichtig. Bei allen habe ich wichtiges gelernt und sie alle haben zur Realisierung meiner Berufung beigetragen.

Versuche also nicht, die eine Tätigkeit oder den einen Beruf zu finden, den du bis an dein Lebensende ausübst. Du kannst sowohl etwas wählen, dass mehrere Interessen kombiniert als auch dich – erstmal – für eine Sache entscheiden und deine übrigen Leidenschaften als Hobbies ausüben. Wichtig ist, dass du dein Leben so bunt gestaltet wie du eben bist.

Scanner-Persönlichkeiten und Selbstständigkeit

Für viele Scanner ist die Selbstständigkeit eine ideale Form, in der sie ihre Berufung ausleben können. Hier ist die Kombination vieler verschiedener Interessen ebenso möglich wie eine relativ freie Zeiteinteilung und kreatives Selbstmanagement.

Eine Selbstständigkeit erfordert natürlicherweise, dass man flexibel ist und ständig neues lernt – die Stärken der Vielbegabten. Zudem gehören zum Leben als Entrepreneur neben dem Ausführen der Haupttätigkeit die unterschiedlichsten kreativen Marketing-Tätigkeiten.

Weniger Scanner-freundlich sind dagegen die bürokratischen Aspekte der Selbstständigkeit. Für Vielbegabte, zu deren Interessen nicht gerade Buchhaltung zählt, ist es daher ratsam, solche Aufgaben frühzeitig abzugeben, z. B. an eine entsprechende Virtuelle Assistenz.

Auch ein Business Coach, der sich mit multipassionierten Unternehmer*innen auskennt, ist Gold wert, da wir dazu neigen, uns mit unseren vielen Ideen zu verzetteln.

Aber Achtung: Solltest du dich für eine (nebenberufliche) Selbstständigkeit entscheiden, fokussiere dich im Marketing zunächst auf einen einzigen Bereich, in dem du dich als Expert*in positionierst. Hier ist die Spezialisierung nämlich doch das Erfolgsmodell – zumindest zu Beginn deiner Selbstständigkeit. Wirst du erstmal als Expert*in auf einem bestimmten Gebiet oder Thema wahrgenommen, kannst du dieses nach und nach problemlos erweitern.

Finde heraus, was deine wichtigsten Werte sind

Wenn du herausfinden willst, was deine Berufung ist, solltest du auch deine wichtigsten Werte im Leben kennen. Mit meinem kostenlosen Werte-Kompass kannst du ermitteln, was dir im Leben wirklich wichtig ist und so Klarheit und Fokus finden für deinen weiteren Weg. Den Werte-Kompass erhältst du hier.